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      Bar

Liebe Freunde,
Die Leute vom „noch besser leben“ (vor allen Dingen die von der Kneipe) sind schlaff und unzuverlässig! Monatelang wurde die Rubrik „Bar“ nicht gepflegt! Daher obliegt es nun mir, einem zufällig öfter hier weilenden Außenstehenden, den Artikel über die „noch besser leben“ – Kneipe zu schreiben. Da ich keine vernünftigen Vorgaben bekommen habe, werde ich mir jetzt irgendwas aus den Fingern saugen müssen…

Es zeigt sich, dass der Legendenbildung endlich Einhalt geboten werden muss. Seit Anbeginn der gastronomischen Erschließung Schleußigs im Jahre 2003 durch den Szeneveteran Georg Reißig und seinem Helfershelfer Olaf Walter ranken sich die absurdesten Mythen um diesen doch eher bescheidenen Versuch, eine gewisse Urbanität in diesem bis dato so beschaulichen Stadtteil zu erzeugen. Schon der Name der Lokalität, “Besser Leben“, zeugt von Realitätsverlust. Da wäre der erste Mythos zu Zerfleddern. So behaupten beide Macher, dass es sich eigentlich um einen Arbeitstitel während der Bauphase gehandelt hätte, der sich dann verselbstständigt hat. Dem unvoreingenommenen Betrachter drängt sich allerdings der nicht ganz unberechtigte Verdacht auf, dass ein unterschwelliger Größenwahn bei der Namensgebung Pate gestanden hat.
Das Fehlen beinahe jeglicher Bestandteile einer vernünftigen Gastronomie, z.B. diverser Cocktails auf der Karte, Eiswürfel in den wenigen angebotenen Longdrinks, Espresso- und Kaffeemaschinen, Eiswürfel in den alkoholfreien Getränken, vernünftigem Essenangebot (keiner wird ernstlich die offerierten Karlsbader Schnitten und Fettbemmen als vollwertige Speisen ansehen) und einem einheitlichem Mobiliar wird als „aufs Wesentliche reduzierte Gastronomie“ verkauft, stellt aber eine besonders grobe Form der gastronomischen Scharlatanerie dar. Die zugegebenermaßen günstigen Preise erklären sich nur aus der Tatsache, dass offenbar im Hintergrund ein Arzt dieses Unternehmen finanziert.
Doch nun weiter.
Allen Warnungen zum Trotz, dass jeglicher Drang zur Expansion den Keim des Untergangs in sich trägt, installieren die beiden auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine so genannte „Galerie“ mit Namen „noch besser leben“. Das offenkundige Unvermögen, eine Galerie mit Inhalten und Leben zu erfüllen, zeigt sich sehr schnell. Man versucht, dieses Manko mit Konzerten und merkwürdigen Veranstaltungen zu kaschieren. Die hohen Besucherzahlen und allgemeiner Akzeptanz dieses Kulturortes sind wohl eher dem Fehlen vernünftiger Alternativen zuzuschreiben. Nun ist aber weithin bekannt, dass solche „Galerien“ in Wirklichkeit verkappte Kneipen darstellen. Kneipen, die allen gastronomischen Genehmigungsverfahren unterliegen. Und so kommt es wie es kommen muss, die Gaststättenbehörde tritt auf den Plan. Zu Recht, so soll es hier ein für alle mal gesagt werden, denn dieser akustischen Zumutung für die Anwohnerschaft unter dem Deckmantel der Kultur musste endlich Einhalt geboten werden. Auch die angeblich aus dieser Zeit stammende Idee, den zwischen beiden Lokalitäten liegenden Platz in „Walter & Reißig - Platz“ umzubenennen, muss hier eindeutig ins Reich des Lächerlichen verwiesen werden, zeugt aber von einer ungebrochenen Selbstüberschätzung. Vielmehr entsteht in dieser Zeit der unheilvolle Plan, das „noch besser leben“ als Idee zu konservieren und an anderem Orte wieder aufleben zu lassen. Damals werden mindestens zwei dramatische Fehlentscheidungen getroffen. Erstens wird eine bis dahin unbescholtene junge Frau, nämlich Anja Sokolowski, die die vormals stümperhaften Kulturversuche im „noch besser leben“ seit einiger Zeit sehr engagiert in vernünftige Bahnen zu lenken versucht, überredet, mit ins schlingernde „noch besser leben“ -Boot zu steigen (was für sie zu unüberschaubaren finanziellen Risiken führt!) und zweitens wird, anstatt nun endlich eine Lokalität auf der Karl- Liebknecht- Straße im Süden der Stadt zu suchen, aus unerklärlichen Gründen der Stadtteil Plagwitz favorisiert. Das Ergebnis ist jetzt zu betrachten: Eine Kneipe, die in ihrer Konzeptionslosigkeit sprachlos macht. Schlicht und das Interieur besteht wieder nur aus altem Trödel. Ein Mischmasch aus Stilen und Epochen, keinerlei Grünpflanzen in den dafür sehr geeigneten Fenstern, wieder kein vernünftiges Essenangebot und von einer Kaffee- oder Espressomaschine ganz zu schweigen. Immerhin sind die Preise moderat und das Spirituosenangebot ist einigermaßen akzeptabel. Das sind wahrscheinlich auch die Gründe dafür, dass sich doch erstaunlich viele sympathische Menschen dorthin ins ferne Plagwitz verirren.
Als Fazit bleibt zu bemerken, dass noch gewaltige Anstrengungen unternommen werden müssen, um eine auch international bestehende Kultur-, Event- und Szenegastronomie dort zu erzeugen.



  Noch Besser Leben
Merseburger Str. 25 /
Ecke Karl-Heine-Str.
04229 Leipzig
+49-341-87 93 557
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