Nachdem nun offensichtlich eine noch bessere Webseite an den Start gegangen ist, müssen auch die Rubriken mühevoll mit neuem Text gefüllt werden. Und da immer noch keiner der schlaffen Kneipenmitarbeiter sich dazu genötigt fühlt dies zu tun, sauge ich mir dafür einen Text aus meinen Fingern und Zehen…

Es sind nun unzählige Karlsbader Schnitten und tschechische Biere den Schlund herunter geronnen, seit dem vor fast 10 Jahren die Kneipe „Besser Leben“ eine gewisse Urbanität auf die verschlafene Dorfinsel Schleußig brachte. Wider besseres Wissen wurde das Ganze dann auch noch mit der Lokalität „noch besser leben“ in die Industriebrache Plagwitz kopiert. War man sich zu Beginn jener Geschichte ziemlich sicher, dass diese „besonders grobe Form der gastronomischen Scharlatanerie“ (Olaf: 2007), wenn es hart auf hart kommt, zum Scheitern verurteilt sein musste, so ist man jetzt um so überraschter, die Kneipen immer noch mit Horden sympathischer Menschen gefüllt zu sehen.

Woran liegt das? Es liegt ganz sicher nicht daran, dass die Leute das provisorisch zusammengewürfelte und in alten Häusern gefundene Mobiliar, was an bessere, goldene Tage erinnert, unaufhörlich zu schätzen wissen. Es liegt auch nicht daran, dass es inzwischen Eiswürfel für die Getränke gibt oder ein neuer Herd die Karlsbader Schnitten noch schmackhafter grillen kann. Und es liegt ganz sicherlich nicht daran, dass hier immer wieder überschätze Kulturveranstaltungen stattfinden, ganz zu schweigen an der wahnwitzigen Musikauswahl älterer mit Rastalocken bestückter Kellner.

Dass inzwischen schamlose Trittbrettfahrer, wie etwa das „Werkstadtcafé Dr. Seltsam“ oder die „Schaubühne Lindenfels“ wie Pilze aus dem Boden schießen, macht die ganze Sache nur noch kurioser. Aber mir leuchtet da langsam etwas ein…

Dem Hörensagen nach können die moderaten Getränkepreise im „(noch) besser leben“ nur deshalb aufrecht erhalten werden, weil ein nicht näher benannter Arzt einer Nervenheilanstalt seinen Kittel über die ökonomischen Abgründe der Kneipen spannt. Wie mir zu Ohren gekommen ist, soll dieser Arzt seine alte Arbeitsstätte verlassen und eine Praxis nun mitten unter uns aufgemacht haben. So wie es aussieht, sind wir alle Opfer einer gewaltigen psychischen Manipulation eines skrupellosen Nervenarztes geworden! Dieser verführt uns anscheinend immer wieder dazu, gedankenlos diese Orte aufzusuchen und Bier zu trinken. Verschont bleibe der, wer ahnt, dass in Wirklichkeit nicht nur die Kneipen sondern unsere gesamte Identität eine Simulation für unsere Gefangenschaft in einer großen Irrenanstalt ist und wir diese für unser wahres Leben halten…