Liebe Freunde,
hier nun endlich die lange angekündigte Erläuterung, wie es trotz voller oder sehr voller Kneipe zu den besagten Zahlungsschwierigkeiten kommen konnte. Vorweg, es liegt an unserem Lieblingskind, dem Salon mit seinen Veranstaltungen. Dort entstehen jeden Monat ca. 2150,00€ Verlust.

Nun die Details für den Salon:

Miete pro Monat 1.086,75 €
Der Salon selbst hat 66,75m², dazu kommen noch
die Übernachtungszimmer für die Künstler, ein Bad
und Lagerfläche von 54m² (insg. 120,75m²)
Die Kaltmiete ist 6,00€/m² & NK 3,00€/m²
Strom 130,00 €
Pauschalwert, da es nur einen Zähler für Kneipe und
Salon gibt. Wir haben einen Nachtstromtarif. Der ist günstiger.
GEMA 125,00 €
Es gibt einen Pauschalvertrag über eine bestimmte Azahl von Konzerten im Jahr.
Das ist billiger. Für die Mitgliedschaft in der LiveKomm gibt es auch noch mal Rabatt.
Lohn Booker 900,00 €
inklusive Lohnnebenkosten, arbeitet halbtags.
Lohn Werbung und ÖA 300,00 €
inklusive Lohnnebenkosten, arbeitet halbtags. Da diese Person sich auch noch um unsere Pension kümmert, habe ich ein Drittel seines Lohnes für Salonarbeit angenommen.
Bandverpflegung 90,00 €
Das ist auf die Anzahl der Veranstaltungen bezogen. Ich gehe von 15 Veranstaltungen im Monat aus. Im Winterhalbjahr sind es mehr, dafür machen wir im Juli und August sehr wenig bis gar keine Veranstaltungen. Im Durchschnitt sind es 4 Musiker und jeder bekommt von uns eine Tiefkühlpizza, 3 alkoholische Getränke und unbegrenzt Alkoholfreies. Weitere Getränke müssen zum
halben Preis bezahlt werden. Der Einkaufspreis ist hier die Grundlage.
veranstaltungsbezogene Löhne 1.800,00 €
Bardienst ca. 6h (Mindestlohn+Zuschläge+Lohnnebenkosten)
ergibt ca. 14,00€/h und 84,00€/Veranstaltung.
Vor- und Nachbereitung ca. 3h = 36,00€
monatliche Veranstaltungskosten: 4.431,75 €
monatliche Umsätze an der Salonbar:  ca.  3500,00€
davon geht noch folgendes ab:
Wareneinsatz (ca. 25%) 875,00 €
Umsatzsteuer (mit Vorsteuerabzug) ca. 375,00€
bleiben vom Umsatz übrig: 2.250,00 €

Dagegen stehen die Veranstaltungskosten und somit fehlen jeden Monat im Salon 2150,00€. Im Normalfall wird das durch den Gewinn unserer zuweilen rappelvollen Kneipe ausgeglichen. Auch die Pension mit ihren 12 Betten trägt dazu bei. Wenn aber in den Sommermonaten der Umsatz um 40% zurückgeht, macht auch die Kneipe ordentlich Verluste, die im restlichen Jahr ausgeglichen werden müssen. Auch der Aus- und Umbau unserer Räume und Reparaturarbeiten kosten viel Geld. Das soll zeigen, dass wir eigentlich von der Hand in den Mund lebten und immer noch leben und wir es bisher nicht geschafft haben, uns eine Geldreserve zuzulegen. Andererseits wollen wir auf gar keinen Fall auf die Kultur verzichten, obwohl genau das betriebswirtschaftlich sinnvoll wäre. Dadurch würde das NBL seiner Seele beraubt und über kurz oder lang sowieso zumachen müssen. Ein nicht unerheblicher Teil der Getränke, die im Salon konsumiert werden, kaufen sich die Gäste unten an der Kneipenbar. Außerdem haben wir unseren Ruf und unsere zehnjährige Existenz größtenteils den Veranstaltungen im Salon zu verdanken.

Es ist aber Abhilfe in Sicht. So stehen die Ausbauarbeiten in der 3. Etage kurz vor Abschluss und wir können diese Räume endlich vermieten und refinanzieren damit 900,00€ unserer Gesamtmiete. Der Eckladenausbau soll komplett über Brauereien und Fördermittel von statten gehen und Ende August fertig sein. Dann können wir diese Räume endlich so kulturell nutzen, dass der Kulturbetrieb sich selbst trägt und nicht mehr über die Kneipe querfinanziert werden muss. Eine Vereinsgründung soll die Kultur effizienter machen. Bis dahin ist es nur noch ein kurzer Weg. Mit eurer bisherigen Hilfe und eurem hoffentlich weiter anhaltendem Zuspruch werden wir diesen bewältigen.

Jetzt noch ein anderes Thema. In den Kommentaren unseres ersten Hilferufs wurde Verwunderung darüber geäußert, dass wir einerseits behaupten, faire Löhne zu bezahlen und andererseits über den Mindestlohn nörgeln. Das kann ich erklären. Schon vor der Einführung des Mindestlohns haben wir unseren Leuten gute Löhne gezahlt (über dem jetzigen Mindestlohn!). Damals haben wir den Grundstundenlohn relativ niedrig angesetzt und über verschiedene Zuschläge aufgestockt. Der Grundlohn ist mit Sozialabgaben behaftet, die Zuschläge jedoch nicht. Das heißt, unsere Sozialabgaben waren einigermaßen erträglich. Durch die Einführung des Mindestlohns haben sich unsere Sozialabgaben demzufolge stark erhöht bei nur leicht gestiegenen und immer noch über dem Mindestlohn liegenden ausgezahlten Stundenlöhnen. Das nur zur Erläuterung dieses scheinbaren Widerspruchs.

Der Operator

 

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