Mike Nagler liest aus den Werken B. Travens - Das Totenschiff // Eine Veranstaltung der Reihe ip-dialog

Zeit
Mittwoch, 12.12.2018
20:45 - 23:00 Uhr

Kategorie
Musik


„Gegen Sturm und Wellen konnte er kämpfen, mit Farbe und mit harten Fäusten; gegen Paragraphen, Bleistifte und Papier nicht.“

Unter dem Pseudonym B. Traven sind in der Zeit von 1926 bis 1950 insgesamt 16 Bücher erschienen. Spannende Abenteuerromane, die sich zugleich kritisch mit Herrschaft, Ungerechtigkeit und sozialer Ungleichheit auseinandersetzen. Genau das macht das Besondere an den Werken Travens aus und begründet ihre anhaltende Aktualität.

Das hierzulande erfolgreichste ist „Das Totenschiff“ (1926).

Der Erzähler verpasst nach einem Landurlaub in Antwerpen sein Schiff. Da sein einziges Identitätsdokument, nämlich seine Seemannskarte, an Bord geblieben ist, macht er eine neue Erfahrung, nämlich ohne Papiere durch alle Maschen anerkannter gesellschaftlicher Zugehörigkeit zu fallen. Als Staatenloser geltend, wird er über Landesgrenzen abgeschoben und macht eine Irrfahrt durch Westeuropa von Belgien über die Niederlande nach Frankreich, Spanien und schließlich Portugal…

„Ich war nicht geboren, hatte keine Seemannskarte, konnte nie im Leben einen Pass bekommen, und jeder konnte mit mir machen, was er wollte, denn ich war ja niemand, war offiziell gar nicht auf der Welt, konnte infolgedessen auch nicht vermisst werden.“

In der Erzählung laufen zwei große Themenstränge zusammen und ergänzen sich zum Totenschiff, als Bild vom untergehenden Spätkapitalismus: die Verdinglichung des Menschen zum Schatten seiner Pässe und Berechtigungsnachweise. Der zweite Themenstrang zeigt die bis heute nicht stark veränderten aktuellen Profit-Praktiken der kapitalistischen Seefahrt. Auch wenn das Buch vor nahezu einhundert Jahren geschrieben wurde, so findet man viele Stellen an denen man aktuellste Parallelen zur heutigen Gesellschaft ziehen kann.

http://ip-dialog.de/11316/mike-nagler-liest-am-12-12-2018-im-noch-besser-leben-aus-den-werken-b-travens-das-totenschiff/

 

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Ein Kontrapunkt zum digitalen Space. Spannend, ob des sich einlassen könnens. Unbekannten im Themenraum begegnen.

Blinddate nicht nur mit der Literatur.